Als unsere Galerie im November 1990 am Gendarmenmarkt, mitten im Herzen des ehemaligen Ost-Berlin, mit der Ausstellung „Die Malerin, die Erich Thum war“ eröffnete, war die deutsche Einheit gerade einmal einen Monat alt. Und wir waren damals die erste Galerie, die im „neuen Osten“ ihren Betrieb aufnahm.

Von Anfang an lag unser Programmschwerpunkt auf Malerei und Grafik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ganz besonders kümmerten wir uns jedoch um die lange vergessene Berliner Kunst der vorigen Jahrhundertwende, die wir in zahlreichen Ausstellungen präsentierten und auch in der Zusammenarbeit mit Museen und Kunstvereinen der Allgemeinheit wieder ins Gedächtnis zu rufen versuchten.

Darüber hinaus wurde großes Augenmerk auf die „Wiederentdeckung“ nahezu vergessener Künstler und Künstlerinnen gelegt, von denen eine ganze Reihe erstmals von unserer Galerie mit einer Einzelausstellung einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

So veranstalteten wir erstmals eine Einzelausstellung mit den Plakaten von Reinhard Hoffmüller, die seither in den Sammlungen der Berliner Kunstbibliothek ebenso zu finden sind wie im New Yorker Museum of Modern Art. Und Heinrich Basedow, einer der Mitbegründer der Berliner Secession, ist nach der Ausstellung unserer Galerie auf dem Kunstmarkt gleichermaßen kein Unbekannter mehr. Weitere Künstler, die wir ebenfalls erstmals mit Einzelausstellungen präsentierten waren Kurt Haase-Jastrow, Johannes Rudolphi, Elisabeth Andrae, Hans Hartig, Wilhelm Wagner, Erich Kliefert und Mathilde Kliefert-Gießen sowie Franz und Margarete Stock und Elisabeth Büchsel.

 

Daneben wurde allerdings auch immer wieder das Werk namhafter Künstler gezeigt, die in der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende gelebt und gearbeitet haben: Nicolas Tarkhoff, Pierre Bonnard, Théophile-Alexandre Steinlen, Heinrich Zille oder Henri de Toulouse-Lautrec, dessen graphisches Werk 1994 in unserer Galerie erstmals seit mehr als siebzig Jahren im Berliner Kunsthandel im Rahmen einer Verkaufsausstellung ausgestellt wurde.

Im Sommer 2017 verlegten wir unsere Geschäftsräume in die Sesenheimer Str. 15, gegenüber der Deutschen Oper in Berlin-Charlottenburg. Auch hier bemühen wir uns weiterhin darum, der bislang so häufig vernachlässigten Berliner Malerei zu der ihr gebührenden Anerkennung und Wertschätzung zu verhelfen: Es gibt auf diesem Gebiet noch viel zu entdecken. Freuen wir uns darauf.

Dr. Wieland Barthelmess
Guntram Wischnewski